WAS LÄUFT DIGITAL?

Wie digital ist NRW?

Digitalisierung ist in Nordrhein-Westfalen aus dem Alltag kaum noch wegzudenken. Wir überweisen Geld online, arbeiten im Homeoffice oder scrollen durch soziale Netzwerke. Doch so digital das Leben manchmal wirkt, so groß sind die Unterschiede, wenn man genauer hinschaut. Besonders im Vergleich zur EU zeigt sich: NRW hat noch einiges aufzuholen.

Die EU hat sich ein klares Ziel gesetzt. Bis 2030 sollen mindestens 80 Prozent der Menschen zwischen 16 und 74 Jahren grundlegende digitale Fähigkeiten haben. In NRW lag dieser Anteil 2023 bei nur 52,8 Prozent. Auch Deutschland insgesamt kommt nur auf 52,2 Prozent. Der EU-Durchschnitt ist mit 55,6 Prozent zwar auch nicht besonders hoch, aber trotzdem besser. Das ist ein Problem. Denn wer sich im Internet nicht gut auskennt, hat es schwer, mitzukommen – ob im Job, bei Behördengängen oder beim Zugang zu Informationen.

In manchen Bereichen ist NRW besser aufgestellt. Zum Beispiel bei der Kommunikation per E-Mail oder Chat. Hier liegen die Werte sogar über dem EU-Durchschnitt. Aber bei wichtigen Dingen wie dem Umgang mit Informationen im Netz hinkt NRW hinterher. Nur rund drei Viertel der Menschen hier wissen, wie man seriöse Quellen erkennt oder Daten richtig nutzt. In der EU sind es über 80 Prozent. Gerade in Zeiten von Fake News ist das ein wichtiger Punkt.

Auch die private Nutzung des Internets ist unterschiedlich. Zwar sind 89 Prozent der Menschen in NRW täglich online, aber wie sie das Netz nutzen, hängt stark vom Alter ab. Junge Menschen sind oft auf Social Media aktiv. Bei den über 65-Jährigen sieht das ganz anders aus. Auch beim Onlinebanking gibt es große Unterschiede. Die Jüngeren nutzen es fast selbstverständlich, viele Ältere dagegen kaum. Hier zeigt sich ein deutlicher Generationenunterschied.

In der Wirtschaft sieht es zunächst gut aus: Fast alle Unternehmen in NRW haben Internetzugang. Aber bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass viele Betriebe nicht mit der Zeit gehen. Nur etwa ein Viertel bietet Schulungen zu digitalen Themen an. Der Anteil ist sogar kleiner geworden. Viele Firmen haben nicht einmal eigene IT-Fachkräfte. Dabei ist der Fachkräftemangel in der Branche längst bekannt.

Ein Hoffnungsschimmer ist der wachsende Einsatz von künstlicher Intelligenz. 2024 nutzen knapp 20 Prozent der größeren Unternehmen in NRW KI-Anwendungen. Das ist deutlich mehr als im Jahr davor. Trotzdem bleibt es ein Nischenthema. Von einem flächendeckenden digitalen Wandel kann keine Rede sein.

Die Landesregierung hat eine Digitalstrategie vorgelegt. Auf dem Papier klingt vieles gut: klare Ziele, viele Versprechen, Fortschritte bei der digitalen Verwaltung. Doch in der Realität dauert vieles zu lange oder bleibt in Ansätzen stecken. Der Rückstand bei digitalen Fähigkeiten, die ungleiche Nutzung zwischen Jung und Alt und die langsamen Veränderungen in der Wirtschaft lassen Zweifel aufkommen, ob NRW wirklich auf dem richtigen Weg ist.

Fazit: NRW ist digitaler als früher, aber noch weit entfernt davon, wirklich digital zu sein. Viele gute Ideen scheitern an der Umsetzung. Damit Digitalisierung mehr ist als nur ein Schlagwort, braucht es mehr Zusammenarbeit zwischen Bildung, Technik und Unternehmen. Nur so kann NRW den Anschluss nicht nur halten, sondern wirklich gestalten.

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